Diakonisch - soziales Schulprofil

"Miteinander leben - voneinander lernen"
( Mag. Almut Krenn)

Leben und Lernen – das bedeutet Lebensspuren zu hinterlassen. Wir haben uns mit dem Thema auseinandergesetzt und sind so mancher Lebensspur nachgegangen. Wir haben über einzelne Schritte gelernt und haben auch neue Wege eingeschlagen, um hoffentlich neue Spuren zu hinterlassen. Entstanden ist dabei ein bunter Pfad mit verschieden Abdrücken, kleinen und größeren, tiefen, klar definierten und verschwommenen. Gemeinsam bewegen wir uns weiter.

ALT und Jung … langsam wachsen wir zusammen …

In diesem Schuljahr haben wir uns vorgenommen, gemeinsam Feste im Jahreskreis zu feiern und zu gestalten und auch am alltäglichen Schul- und Alltagsleben miteinander zu lernen. Von gemeinsamen Adventvorbereitungen bis zum Thema „Frühlingsgedanken“, von Schulzeit heute und damals, bis zu Erinnerungen an politische Themen, die von SchülerInnen und StudentInnen bearbeitet wurden – so wurde der Geschichteunterricht direkt erweitert und wir konnten Zeitzeugeninterviews machen. Umgekehrt wird auf Wunsch der SeniorInnen der Unterricht geöffnet und es besteht die Möglichkeit Schulalltag „live“ mitzuerleben.

Teilhabe an den unterschiedlichen Lebenswelten bedeutet aber auch, sich intensiv mit der Thematik des Alterns auseinanderzusetzen und zu verstehen, was das für den einzelnen Menschen bedeutet. Vom Kinofilm zum Thema Alzheimer bis zur direkten Hilfe in der Schule, wenn es um Orientierung geht, haben SchülerInnen die Möglichkeit, sich darauf einzulassen und das System Schule zu erweitern. Durch neue Perspektiven haben wir die Möglichkeit uns anders zu erleben.

Neue Eindrücke haben aber nicht nur die SchülerInnen. SeniorInnen können sich direkt mit SchülerInnen auseinandersetzen und so gibt es zum Beispiel neue Medien in Form von Power- Point-Präsentationen über die aktuelle Pragreise von SchülerInnen im Wohnraum der Hausgemeinschaften. Künstlerische Arbeiten von SchülerInnen werden direkt im Wohnraum der Hausgemeinschaften vorgestellt und gemeinsam werden kreative Nachmittage möglich. Auch der Besuch von Haustieren der SchülerInnen war eine willkommene Abwechslung.

Alt und Jung … langsam wachsen wir zusammen…

Gedanken von SchülerInnen anlässlich der Eröffnungsfeier der Hausgemeinschaften zum einjährigen Bestehen

"Intergenerationelles Lernen ist nicht nur ein rationeller Lernvorgang, der beispielsweise Geschichtsthemen bzw. Allgemeinwissen umfassen kann, es ist insbesondere eine Möglichkeit, über seine eigenen Grenzen zu treten und sich durch diesen Schritt eine weltoffenere Sicht zu ermöglichen. Ich lege diese auf die Menschen bezogene Erfahrung allen hier nahe. Für mich ist ein Tag, an dem ich die Hausgemeinschaft besucht habe, ein gewonnener Tag, ein Tag, der mir vor Augen führt, wie gut wir gemeinsam das Leben leben können."
Jan, 9A

"Ich wünsche Ihnen einen wunderschönen Nachmittag! Ich möchte mich kurz vorstellen, mein Name ist Lisa Marie Mahr und ich besuche derzeit die 9. Klasse des Evangelischen Gymnasiums.
Seit zwei Jahren belege ich die unverbindliche Übung Geragogik, und seit einigen Monaten besuchen wir auch die neu entstandene Wohngemeinschaft oberhalb unserer Schule.
Die Stunden, die ich mit diesen herzlichen, sympathischen und auch sehr interessanten Menschen verbracht habe und hoffentlich noch verbringen werde, sind für mich der Ausgleich zu dem sonst eher stressigen Schulleben. Es ist für mich eines der schönsten Gefühle zu spüren, dass ich mit meinen Besuchen Freude bereiten kann. Das größte Geschenk für mich sind leuchtende Augen und das Strahlen in den Gesichtern. Die anfänglichen Berührungsängste und Unsicherheiten waren schnell überwunden und gegenseitiges Vertrauen machte sich breit.
Intergenerationelles Lernen bedeutet für mich von Erlebtem zu berichten, Erfahrungen, Wünsche und Neues auszutauschen und gemeinsam zu träumen.
Die Begeisterungsfähigkeit der Bewohner/innen der Wohngemeinschaft durfte ich erst letzten Freitag wieder erleben, als ich von der im Dezember stattgefundenen Klassenreise nach Prag berichtete und viele lustige und auch eindrucksvolle Bilder zeigte. Mein Wunsch war es, Prag nochmals gemeinsam zu entdecken und ich hoffe, dass es mir auch ein wenig gelungen ist.
Mit Spannung erwarte ich schon unser nächstes Projekt, nämlich die gemeinsame Planung der Dachterrassenbegrünung.
Ich darf mich an dieser Stelle bei allen Mitgliedern der Wohngemeinschaft, die mir sehr ans Herz gewachsen sind, für ihr aufrichtiges Interesse und die guten Gespräche bedanken und wünsche uns noch viele lustige und gemeinsame Stunden.
Natürlich richtet sich mein Dank auch an jene Personen, die uns diese Erfahrungen erst möglich gemacht haben, denn diese Art der Projekte fördert intergenerationelles Lernen und vor allem aber auch Verständnis füreinander."
Rede von Lisa, 9A

Reflexionen der SchülerInnen

Als Rettungsanitäter bin ich mit älteren Menschen primär in Extremsituationen konfrontiert. Dass sich die Lebensfreude da zumeist auf ein Minimum reduziert, ist durchaus nachvollziehbar. Im scharfen Kontrast hierzu steht die unverbindliche Übung Geragogik: In Dialogen oder Gesprächsrunden erfährt man mehr über die Lebensgeschichten der einzelnen
BewohnerInnen der Hausgemeinschaften. Ob es nun Frau K. ist, die zum
wiederholten Male erzählt, dass sie vor 40 Jahren Schaffnerin wurde, weil das Gehalt besser war, oder eine andere Bewohnerin, die trotz einiger gesundheitlicher Leiden nur so vor Lebensfreude strahlt - die Arbeit mit diesen besonderen Menschen hat mir immer sehr viel Freude bereitet.
Florian, 9A

Es ist mir immer wieder eine Freude, die Menschen in der Wohngemeinschaft über unserer Schule, zu besuchen. Die Erfahrungen und Erlebnisse, die ich mit diesen Menschen mache, sind einzigartig. Ich finde es schön, ihnen zuzuhören, Geschichten auszutauschen, mit ihnen zu diskutieren und auch Freundschaften zu schließen. Es ist erstaunlich, wie schell sich in so kurzer Zeit wertvolle Beziehungen entwickeln können! Ich fühle mich stolz, sagen zu können, dass ich aus dieser Erfahrung etwas gelernt habe und ich bin davon überzeugt, dass einige meiner Generation aus solchen Zusammentreffen auch Wichtiges für ihre weitere Zukunft lernen könnten. Es ist mir ein Anliegen, Generationen vor meiner Zeit nicht zu vernachlässigen und sie in unsere Zeit einzubinden. Geragogik wird ein Fach bleiben, auf dessen Teilnahme ich nicht verzichten möchte.
Jacki,9A

Reflexionen der SeniorInnen:

Frau K: „Ich lerne gerne, ich bin gern mit jungen Menschen zusammen. Man lernt ja bekanntlich nie aus, die Lebensweise von heute hat sich ja geändert und da kann man immer noch dazulernen, auch wenn man alt ist.“

Frau P: „Ich spreche gerne mit SchülerInnen über meine Schulzeit. Ich habe ein Jahr im Burgenland verbracht und zu meiner Schulzeit hat es noch die Prügelstrafe gegeben. Das war 1927/28, da habe ich mich gefürchtet in die Schule zu gehen…heute ist ja zum Glück alles ganz anders.
Besonders hat mir auch die Feier zum einjährigen Bestehen gefallen, ich wurde von einem Schüler zur Feier abgeholt. Er hat mir Brötchen besorgt, es ist alles super verlaufen. Er hat sich sehr um mich gekümmert. Er war so aufmerksam, das hat mir imponiert. Ich finde überhaupt die SchülerInnen sehr nett. Es ist eine angenehme Ablenkung, man sieht sonst nur dasselbe und das ist nicht aufbauend und so kommt man noch mit dem Leben in Berührung.“

Herr P: „Der Vortrag über die Pragreise…es ist immer interessant, mit was für Dingen sich ein junger Mensch beschäftigt. Warum soll man das nicht fördern und sich anschauen? Das ist spannend und es ist interessant für die Zukunft. Auch Ausschnitte, wie das mit dem Lehrplan funktioniert, das wäre interessant für jeden, da kann man schon was zeigen.“

Frau S: „Die SchülerInnen – auch die jüngeren – waren sehr interessiert. Die Buben haben immer Fragen gestellt und alles genau notiert. Wie gesagt, sie haben alle Antworten aufgeschrieben und erzählt, dass sie auf Schiwoche fahren. Jetzt möchte ich wissen, wie es war!“


 

 

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