Unverbindliche Übung Geragogik

Die unverbindliche Übung Geragogik bietet SchülerInnen
die Möglichkeit, sich mit der Thematik des Alterns auseinanderzusetzen,
indem sie kontinuierlich gemeinsam mit älteren Menschen lernen
und auch ihre schulischen Leistungen und Ergebnisse präsentieren
und besprechen können.
In diesem Jahr haben wir uns speziell mit der Thematik „Gestaltung
und Wohnen“ beschäftigt. Vom Interview zu den Wohnräumen
von SeniorInnen und SchülerInnen, über die Planungsphase mit
Skizzen und Zeichnungen, bis zum konkreten Beispiel aus dem Werkunterricht
wurde gemeinsam über Lebensräume für Alt und Jung nachgedacht.
Die SchülerInnen konnten erfahren, wie wichtig ein gelungener Wohnraum
im Alter sein kann und welche Lebensqualität das Wohnkonzept des
Hausgemeinschaftsmodells bietet. Sie haben gelernt, dass Altern auch
vielfältige Wohn- und Betreuungsangebote fordert und dass einerseits
Individualität und Rückzugsmöglichkeiten für SeniorInnen
wichtig sind, andererseits der gemeinsame Wohnraum für Aktivitäten
und die Tagesgestaltung eine enorm wichtige Rolle spielen.
Einen zweiten wesentlichen Schwerpunkt bildete die Thematik „Spiele
damals und heute“. Die Schülerinnen der 2b präsentierten
ihre Plakate aus dem Geschichteunterricht zum Thema „Alltagsleben
in Rom“ und sprachen über Spiele in der Antike. Den Gegensatz
dazu bildete der Informationsschwerpunkt zum Thema „Neue Medien
und Spiele heute“, wobei Laptop, Gameboy und Handyspiele erklärt
wurden und sofort von den SeniorInnen erprobt werden konnten.
SchülerInnen, die das ganze Jahr die „Unverbindliche Übung
Geragogik“ besuchen, haben so die Möglichkeit, die Beziehungen
zu den SeniorInnen zu vertiefen und gemeinsame Lernerfahrungen miteinander
zu teilen. Zusätzlich gab es für einzelne Projektklassen die
Möglichkeit, ihre Unterrichtsergebnisse in den Hausgemeinschaften
vorzustellen, nachdem sie zuerst im Unterricht in Teamteachingphasen
auf die Begegnung mit älteren Menschen vorbereitet wurden. Viele
offene Fragen und Eindrücke wurden dann nach einer Unterrichtseinheit
zum Thema intergenerationelles Lernen miteinander diskutiert.
Projekte im Werkunterricht: Mag. Renate Ritscher
Ich freue mich immer wieder über die Einladung
von Frau Prof. Krenn, mit meinen Werkklassen gemeinsam das Seniorenheim
zu besuchen. Anfangs sind die Schüler meist verunsichert, da sie
nicht so genau wissen, was sie erwartet, aber jedesmal am Ende so eines
Besuches hören die Schüler nicht auf zu erzählen und
zu schwärmen von ihrem Erlebten.
Im Werkunterricht der dritten Klassen ist einer der Schwerpunkte das
„Wohnen“. Wobei die Schüler dem Wohnen einerseits historisch
und auch ganz persönlich auf die Spur kommen sollen, andererseits
aber dann auch ganz praktisch Pläne von Wohnungen in einem Maßstab
von 1:20 entwerfen und dann auch in Form eines Modells in eine dreidimensionale
Form umsetzen. Der Ideenreichtum beim Gestalten der Inneneinrichtungen
ist für mich jedes Mal wieder von großer Faszination. Im
Seniorenheim präsentierten die Schüler ihre Wohnungsmodelle
und zeichneten für die Seniorinnen Pläne von Häusern
oder Wohnungen nach deren Vorstellungen. Hier kam es zu ganz außergewöhnlich
berührenden Gesprächen.
In unserem zweiten Projekt ging es um das Thema „Spielplatz“:
Im Herbst letzten Jahres unternahmen wir mit den Klassen 2B und 2C einen
Ausflug in den Prater, wo wir einen Spielplatz besuchten, mit der Mission,
gelungene Spielgeräte, technische Gegebenheiten von Konstruktionen
sowie Sicherheitsmaßnahmen zu untersuchen und zu skizzieren. Das
dabei Gelernte konnte dann in die Planung eines Spielplatzmoduls einfließen.
Es entstanden wiederum 1:20 Modelle mit Spielplatzgeräten unterschiedlichster
Art und Gestalt sowie Materialien. Es war eine große Freude für
unsere Schüler, diese Modelle den Bewohnern im Seniorenheim zu
präsentieren.
Projektklasse, Wahlpflichtfach Psychologie/Philosophie, 7B
Den kulinarischen Abschluss des Projektes gestalteten
SchülerInnen der 7. Klassen, indem sie in den Hausgemeinschaften
kochten. Die Palatschinken und der Obstsalat fanden großen Anklang.
Interviews zum Essverhalten von SeniorInnen wurden erstellt und gemeinsam
wurde über gesundes Essen und Kochkreationen gesprochen.
Wichtig ist bei allen Themen, dass schulische Lerninhalte den SeniorInnen
in den Hausgemeinschaften in verschiedensten Formen näher gebracht
werden, dass die SchülerInnen die Möglichkeit haben, ihr Wissen
weiterzugeben und sich selbst als Lernende in intergenerationellen Begegnungen
begreifen zu können.
Ganz herzlich möchte ich mich bei allen Beteiligten in den Hausgemeinschaften
für das Engagement und die Unterstützung bedanken, sowie bei
allen Projektklassen und SchülerInnen, die sich kontinuierlich
mit der Thematik des Alterns und der Alterstheorien auseinandersetzen
und somit Lernprozesse ermöglichen, die für Jung und Alt eine
wesentliche Lebensbereicherung darstellen.
Gedanken von Schülerinnen und Schülern:
Als ich in den Hausgemeinschaften war, hat mich fasziniert, dass die
Menschen den ganzen Tag im Wohnraum ein offenes Buffet haben, wo sie
sich bedienen können. Als wir mit ihnen Bilder gemalt haben, konnte
man genau beobachten, mit wie viel Freude die alten Menschen dabei waren.
Peter

Die Menschen scheinen sehr glücklich mit ihren
Wohnräumen zu sein. Sie fühlen sich in ihrer Umgebung wohl
und mögen ihre BetreuerInnen. Zu jeder Jahreszeit hängt passender
Schmuck an den Wänden. Deshalb ist es sehr gemütlich. Ich
fühle mich wohl, während ich mit den Menschen rede, weil sie
gerne erzählen, gerne Neues von der Schule hören und ich das
Gefühl habe, dass sie sich freuen, wenn ich da bin.
Anna
Fragen an die SeniorInnen:
Welche Bedeutung hat der Wohnraum in der Hausgemeinschaft?
Hier bekomme ich die Hilfe, die ich brauche! Man kann essen und trinken,
zusammen fernsehen, reden oder einfach alles beobachten. Wir haben ja
dort so eine schöne, tolle Küche!
Frau K.
Der Wohnraum ist wie eine zweite Wohnung für mich,
sehr gemütlich und schön. Man kann dort alles machen.
Frau S.

Welche Tätigkeiten werden dort verrichtet?
Ich helfe gerne mit in der Küche, es gibt immer etwas zu tun. Ich
bin aber auch gerne allein, dann ziehe ich mich in mein Zimmer zurück,
aber ab und zu ist der Wohnraum schon sehr wichtig! Und der Wohnraum
ist zu jeder Jahreszeit so toll geschmückt! Auch ein Teddy steht
im Wohnraum, der gehört einfach dazu.
Frau S.
Fernsehen, Zeitungen lesen, Spiele spielen, Gespräche,
Besuche... und wir treffen hier euch Schülerinnen und Schüler.
Frau P.
Wie sind die einzelnen Wohnräume gestaltet?
Die Gestaltung der Wohnräume gefällt mir sehr gut. Am liebsten
habe ich die Bank vor dem Fernseher, denn das ist mein Platz. –
Da sitze ich immer. Mein Zimmer gefällt mir auch, aber die Betten
sollten breiter sein. Dafür kämpfe ich schon lange.
Frau K.
Es ist sehr friedlich in den Wohnräumen. Wir verstehen
uns gut und haben es immer lustig. Dieses Interview gefällt mir.
Ich verspreche euch, dass ich nächstes Jahr hier aus der Zeitung
lache, denn dann bin ich 90!
Frau S.
Mag. Almut Maria Krenn
