Diakonisch - soziales Schulprofil

 

Das Leben bedeutet Veränderung, Zeit hinterlässt Spuren, Alter erzählt Geschichten
(unbekannter Autor)

Mein besonderer Dank gilt allen Schülerinnen und Schülern, die sich im Schuljahr 2009/2010 aktiv auf den Prozess des gemeinsamen Lernens mit älteren Menschen eingelassen haben, allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Hausgemeinschaften, die uns immer wieder unterstützt haben, und Herrn Prof. Dr. Ludger Veelken für seinen spontanen Beitrag, der auf die Relevanz und Nachhaltigkeit von intergenerationellen Lernprozessen aufmerksam macht und uns alle auch für das kommende Schuljahr beim gemeinsamen Lernen voneinander motivieren wird.


Neue Medien und ältere Menschen

Das Medien-Projekt im heurigen Jahr hatte das Ziel, junge und alte Menschen durch moderne Medien zu verbinden. Im Rahmen des Geragogikunterrichts hatten wir die Möglichkeit, mit Fotographie und Film zu arbeiten, um alten Menschen so eine neue Perspektive für die jetzige Zeit zu geben. Für mich persönlich war es ein besonderes Erlebnis zu sehen, wie alte Menschen sich an der Gegenwart junger erfreuen. Ich bin mir sicher, dass es wichtig ist, dass verschiedene Generationen miteinander agieren. So können Wissen und Erfahrung weitergegeben werden. Allerdings macht es mich immer wieder traurig zu sehen, wie sich eine junge Generation von Älteren distanziert. Dabei ist wichtig, für einander da zu sein und voneinander zu lernen. Ich glaube, dass ich einiges von diesem Jahr aus Geragogik mitnehmen kann, wie zum Beispiel den Umgang mit älteren Menschen und die Wichtigkeit des generationenübergreifenden Unterrichts.
Simeon Schmidt, 7B


Geragogik

"Ja die Jugend ist da, das ist ja erbaulich!" Mit diesen Worten begrüßt uns Frau Z. jedes Mal, wenn wir die Wohngemeinschaft betreten. Auch während unseres Besuchs wird sie nicht müde, uns zu beteuern, wie sehr sie sich freut und wie erbaulich wir doch sind. Solche Offenheit und Freude uns gegenüber überrascht mich immer wieder. Genau mit diesem Hintergrundgedanken habe ich mich bei Geragogik angemeldet.
Meine Urli (Urgroßmutter) hat ihre letzten Lebensjahre auch im Altersheim verbracht. Schon damals habe ich beobachten können, wie wichtig Kommunikation und Wertschätzung für die Senioren und Seniorinnen sind. Das auch nach dem Tod Urlis anderen geben zu können, ist meine Motivation, mich bei Geragogik anzumelden.

Für mich bedeuten alte Menschen vor allem Erfahrung. Sie haben in ihrem Leben schon viel erlebt und können auf einen enormen Erfahrungsschatz zurückblicken. Viele möchten davon erzählen und ich habe mich zunächst einfach als Zuhörerin gesehen. Investieren muss ich nur ein wenig Zeit, das Feedback der alten Leute ist unmittelbar und wunderbar positiv. Das ist jedoch sozusagen nur die oberste Schicht der Geragogik. Lässt man sich etwas tiefer auf dieses Projekt ein, und damit ist nicht erhöhter Zeitaufwand gemeint, staunt man, welcher Austausch da möglich wird. Nicht wir Jungen sind so nett und machen mal eine Freude mit unserem Besuch. Das stimmt natürlich auch, so ist es auch mein Wunsch gewesen, etwas von der Welt draußen, Abwechslung und vor allem Freude mit nach oben zu bringen. Worüber ich mir nicht im Klaren gewesen bin, ist die Tatsache, dass ich so viel zurückbekomme. Die Damen haben so viel zu erzählen, nach einer kurzen Aufwärmphase plaudern sie über ihre Kindheit, den Krieg ... Es scheint so, als wäre das der effektivste Geschichteunterricht überhaupt.

Neben diesem Austausch von Informationen, wir erzählen von unseren Aufgaben, Herausforderungen, von der Welt heute und sie lassen uns Einblick nehmen in Vergangenes, geschieht noch anderes. Wir bekommen immer mehr ein Bild vom anderen. Das sind nicht einfach die erzählenden alten Damen. Das sind Frauen, die den Krieg und die Nachkriegszeit miterlebt haben und in diesen schweren Zeiten Unglaubliches geschafft haben, die Lehrerinnen gewesen sind oder eine extrem interessante Kindheit hatten. Im Kontakt mit uns knüpfen sie wiederum ein wenig an das aktuelle Leben an und können gewisse Einsichten erhalten, die ihnen so manches, das an ihnen nur vorbei wandert, erklärt, wie zum Beispiel digitale Fotos, Handys, oder Computer, sozusagen die Jugend von heute in Multi Media Version. Die Gegenwart wird für sie begreifbarer, einschätzbarer. Ja, die Jugend ist erbaulich, aber das Alter auch!

Alexandra Kraus, 7B

 


 

Prof. Dr. Ludger Veelken, Dortmund:
Intergenerationelles Lernen

"Während die Lebensreise ihren Fortgang nimmt, gewinnt man tiefere Einblicke in die eigene Seele und entdeckt schließlich die wahre Sinnfrage des Lebens: "Wer bin ich; warum bin ich hier?" (Paramabansa Yogananda)

Im Intergenerationellen Lernen begegnen sich zwei Generationen:
Zum einen diejenigen, die schon länger auf der Reise sind, die Älteren. Sie haben Höhen und Tiefen, die Schönheiten während der Reise, aber auch die Probleme und Schwierigkeiten kennen gelernt und werden sich bewusster, dass die Reise einem Ende in dieser Reiseform entgegengeht.
Andererseits die, die noch nicht so lange reisen, die Jüngeren. Sie haben noch nicht die große Lebens - Reise - Erfahrung, haben aber noch eine lange Reisezeit - im Normalfall - vor sich. Sie wissen, wie toll es sein kann und spüren, dass noch viel Unbekanntes vor ihnen liegt. Auch die Jüngeren fragen nach der Identität im Kindes- und Jugendalter, aber die Frage bezieht sich mehr auf die Fragen nach Hier und Jetzt und Zukunft, bei den Älteren, auf der Basis langer Lebenserfahrung, mehr auch auf das schließliche Ende der Reise.

Für mich sind beim Intergenerationellen Lernen und bei der Begegnung der Generationen fünf Punkte wichtig:

1. Relevanz
Es geht beim Intergenerationellen Lernen nicht um ein "Beschäftigungsprogramm", um Randfragen des Lebens. Vielmehr hat es für beide Gruppen eine besondere Bedeutung im Prozess des Reifens und Wachsens, einerseits die Aufhebung von Einsamkeit, Langeweile und die Begegnung mit dem Zukunftsgefühl der Jüngeren, andererseits um eine sinnvolle Praxis und die Begegnung mit großer Lebenserfahrung.

2. "Win - Win" Situation im Generationendialog
Für beide Generationen muss die Begegnung ein "Gewinn" sein. Vielfach werden immer nur die Älteren gesehen, die sie sich freuen, aufleben, angeregt werden und es wird zu wenig gefragt, was die Jüngeren "davon haben". Hier können im Gespräch neue Beispiele gefunden werden, etwa ein "sich anstecken lassen" von der größeren Ruhe, dem inneren Abstand der Älteren bei der Lösung der vielen Problemen in Kindheit und Jugend oder das gemeinsame Finden von Lösungswegen für konkrete Lebensfragen. Begegnung der Generationen ist nicht nur für die €Älteren da!

3. Innovationsgrad
Immer wieder kann in den Projekten die Frage nach neuen Wegen, nach neuen Strukturen, nach der Erschließung neuer Bereiche gestellt werden. Denn beide Generationen verändern sich auch durch das Älterwerden im Laufe der Begegnung.

4. Vorbildfunktion
Oft wird heute von "Leuchtturmprojekten" gesprochen. Auch das Intergenerationelle Lernen kann im jeweiligen Umfeld, in der jeweiligen Institution so ein Licht sein, das andere Bereiche erhellt.

5. Nachhaltigkeit
Der Begriff wird oft genannt. Er bedeutet aber die Suche nach der längerfristigen Lösung der Projektziele. Wer hat profitiert? Gibt es längerfristigen positiven "Nutzen"? Kann das Projekt durch Veröffentlichungen, Praxisberichte, anderen zugänglich gemacht werden? Die fünf Punkte sollen nicht die Begegnung der Generationen erschweren, sondern dazu dienen, die Freude beim Intergenerationellen Lernen zu erhöhen.

(Nach-Lese:
Ludger Veelken 2003: Reifen und Altern. Geragogik kann man lernen. Oberhausen: Athena Verlag;
Ludger Veelken, Silvia Gregarek, Bodo de Vries 2005: Altern, Alter, Leben lernen. Geragogik kann man lehren. Oberhausen: Athena Verlag;
Silvia Gregarek 2007: Lernen leben - Leben lernen. Intergenerationelle und Interkulturelle Bildung. Oberhausen: Athena Verlag.)

 


 

Projekt Wolle im Werkunterricht und den Hausgemeinschaften
mit Mag. Renate Ritscher

Schülerinnen und SeniorInnen beschäftigen sich mit dem Rohstoff Wolle.
Welche Funktionen hat Wolle?
Welche Eigenschaften und welchen Wert hatte das Material im Wandel der Zeit?

Mag. Almut Krenn

 

Evangelisches Gymnasium und Werkschulheim Wien, Erdbergstr. 222A, A-1110 Wien, Tel.: +43-(0)1-5038898