Diakonischer Schwerpunkt

Osterhase, Ei & Co

Osterhase, Ei & Co waren das Thema eines Besuches von Kindern der 1D in den Wohngemeinschaften. Paul präsentierte eine Osterkerze und erklärte die Symbole. Vanessa und Kerstin erzählten über den Osterhasen und erfreuten die Bewohnerinnen mit einem mitgebrachten Stoffhasen. Conny und David führten nach angemessenen Vorwarnungen eine Osterratsche vor und staunten nicht wenig darüber, dass viele Bewohnerinnen beim Ratschenlied mitsingen konnten. Über das Ei als Ostersymbol erzählten Anna und Anna Interessantes. Beim Eierpecken, so erfuhren wir, geht es eigentlich darum, das Ei rasch aufzupecken, um das in ihm verborgene Leben rasch ans Licht zu bringen. Palmkätzchen und Granatapfel wurden von Francesca, Caroline und Felix präsentiert.

3. März 2015: Aktionstag in den Hausgemeinschaften

Am 3. März kam es zu hochfrequentiertem Zusammentreffen zwischen Alt und Jung. Einerseits war es bereits höchste Zeit die Osterdekoration anzubringen, d.h. die von SchülerInnen und SeniorInnen im Vorjahr marmorierten Ostereier in den drei Stockwerken aufzuhängen und auch die im Werkunterricht bei Frau Prof. Ritscher gebastelten Hasen aufzuhängen. Dabei wurde ich tatkräftig von SchülerInnen aus der 4B unterstützt, die mit großem Eifer bei der Sache waren und mit viel Einfühlungsvermögen auf die Wünsche der Seniorinnen und Senioren eingingen.

Andererseits besuchte gerade eine Schülerin aus der 8A, die auch das Wahlpflichtfach „Geragogik-Andragogik, Der alte Mensch in unserer Gesellschaft“ besucht, im Rahmen ihres Praktikums Frau Korodwicka. Die beiden plauderten angeregt, während um sie herum geschmückt und dekoriert wurde.

Parallel dazu wurden auf der Terrasse im 4. Stock zwei Hochbeete aufgestellt und befüllt. Diese wurden von der Werkgruppe der 4B unter der Leitung von Prof. Maurer im Unterricht innerhalb von drei Wochen hergestellt. Im Biologieunterricht soll nun mit Prof. Entrup besprochen werden, wie die Beete zu bepflanzen sind, wobei die Wünsche der Seniorinnen nach Salat, Kräutern und hängenden Tomaten sicherlich berücksichtigt werden. Ich denke, dass wir von diesem Projekt, an dem so viele verschiedene Fächer beteiligt sind, noch hören werden. (Text und Fotos: Dr. Martina Müller)

Projekt Kafarnaum

Die 1B hat ein Modell des Dorfes Kafarnaum am See Genezareth gebaut. Man sieht das Dorf so wie es zur Zeit Jesu ausgesehen hat. Es gibt eine Synagoge, Häuser, Palmen und Boote auf dem See. Eine Mauer wurde zum Schutz des Dorfes errichtet. Doch auf der Seite des Sees ist sie offen.

Wir haben alles aus Karton und Papier gebaut. Nachdem wir die Grundplatte bemalt hatten, stellten wir die Häuser und Palmen auf. Eine Schwierigkeit war das Aufstellen und Aufkleben der Mauern. Es hat lange gedauert, bis Kafarnaum fertig war, aber es hat auch Spaß gemacht.

Am Donnerstag, dem 12. Februar, waren wir mit unserem Modell in den Hausgemeinschaften. Dort erzählten wir etwas über das Dorf. Die Klasse teilte sich in zwei Gruppen auf, um das Modell zu präsentieren. Wir sprachen über Politik, den Sabbath, das Familienleben, die Häuser, die jüdische Religion, Getreide und Pflanzen und vieles andere mehr.  Zum Schluss gab es Orangensaft und Cola für alle. (Mag. Elisabeth Neudorfer und Schülerinnen und Schüler der 1B)

Wahlpflichtfach "Alterspädagogik"

Im Schuljahr 2013/14 wurde das Wahlpflichtfach  mit eigenständigem Curriculum zum ersten Mal angeboten. 13 Schülerinnen und Schüler entschlossen sich das Wagnis einzugehen und das neue Angebot auszuprobieren.

Im ersten Jahr bekommen die Teilnehmer eine theoretische Einführung in die Bedürfnisse alter Menschen und die Probleme, die diese bei der Bewältigung ihres Alltages haben. Dabei werden verschiedene Pflegkonzepte und Theorien behandelt, die auch Studierenden an sozialen Fachhochschulen, wie dem Campus Wien, in den Einführungsvorlesungen begegnen.  Schon früh kommen auch externe Vortragende an die Schule und geben den Schülerinnen und Schülern einen Einblick in ihren Berufsalltag und ihre Erfahrungen. So vorbereitet absolvieren die jungen Menschen im Sommersemester ein Praktikum in den Hausgemeinschafen der Diakonie Gallneukirchen, die in den oberen Stockwerken im Gebäude des Evangelischen Gymnasiums angesiedelt sind. In diesem Praktikum haben sie wöchentlich Kontakt mit einem alten Menschen, lernen seine Bedürfnisse und Möglichkeiten kennen, überlegen ein Konzept, wie sie mit ihm in Kontakt treten können bzw. die Treffen für beide Seiten angenehm und sinnvoll zu gestalten.

Im zweiten Jahr erweitern die Teilnehmer ihr Wissen in zahlreichen Exkursionen, die sie durch ganz Wien in die verschiedensten Betreuungseinrichtungen führen. Dabei können sie die im Vorjahr erlernten theoretischen Ansätze in der Praxis wiederfinden und erleben verschiedene Pflegemodelle für die verschiedenen Bedürfnisse. Ergänzt werden diese Erfahrungen durch Vorträge, die sich mit kulturellen Unterschieden, den Problemen und Bedürfnissen von Angehörigen alter Menschen und dem Umgang mit Sterben, Tod und Trauer befassen.

Erfreulicherweise treten von den 13 Schülerinnen und Schülern, die das Wahlpflichtfach in den Jahren 2013/14 und 2014/15 besucht haben, 7 Schülerinnen und Schüler im Haupttermin 2015 in diesem Fach auch zur Matura an. Im Rahmen der neuen Reifeprüfung ist es ja möglich in einem Wahlpflichtfach ohne Trägerfach eigenständig zu maturieren.

"Die Stallmusikanten von Bethlehem"

Am Montag, dem 22. Dezember, besuchten seltsame Gestalten die Hausgemeinschaften: Kinder der 1C und 1D, verkleidet als Hahn, Katze, Hund, Maultier, Ochs und Esel. Aber auch menschliche Gestalten, nämlich Maria und Josef, ein Rabbi, die Bürgermeisterin von Betlehem, eine Wirtin und die Hausfrau, Frau Rebekka, kamen zu Besuch.

Die Kinder spielten den BewohnerInnen ein nicht sehr typisches Krippenspiel vor. Kern des Spiels war die Aussage aus Jesaia 1, 3, in der es heißt, dass Ochs und Esel, die einfältigen Tiere also, Jesus eher als den Herrn erkennen als die Menschen.

Sprechende Tiere sind ein beliebtes Motiv der weihnachtlichen Legenden; die Szene „Die Stallmusikanten von Betlehem“ nimmt diese Form auf. So sind es auch hier die Tiere von Betlehem, die die Ankunft des Herrn erwarten und ihn erkennen, während die Menschen andere Dinge im Sinn haben. Sie sind damit beschäftigt Ordnung zu machen, Geld zu verdienen, ihre Wichtigkeit zur Schau zu stellen und die Schriften zu studieren.

So finden schließlich die Tiere den Weg zur Krippe. Sie empfangen das Kind mit einem vielstimmigen Chor und versuchen auch den Menschen die Botschaft von der Ankunft Gottes auf Erden zu sagen.

Die phantasievollen Kostüme der Mitwirkenden und die Geschichte kamen bei den ZuschauerInnen gut an. Die Kinder genossen den Applaus und wünschten frohe Weihnachten.

(Mag. Elisabeth Neudorfer)

Advent 2014 in den Hausgemeinschaften

Adventkranzbinden

Wie jedes Jahr fand auch heuer wieder das „generationsübergreifende“ Adventkranzbinden. Frau Prof. Ritscher hat vor vielen Jahren mit dieser liebenswerten Tradition im Kunstkurs begonnen und wir haben die Aktion noch erweitert. Am letzten Freitag vor dem 1. Adventsonntag lädt Frau Prof. Ritscher Kinder und Großeltern zum Adventkranzbinden in den Werksaal ein. Dann verbringen die fleißigen Binder einen gemütlichen Nachmittag bei Keksen, Tee und Weihnachtsmusik und schaffen die herrlichsten Kränze.

Da die Schülerinnen und Schüler somit immer hervorragend eingearbeitet sind, gehen einige (diesmal Carolina Kerres und Anna Neumair aus der 9A, Amina Masnitz und Pernilla Olf aus der 4C) am Vormittag mit Frau Prof. Müller in die Hausgemeinschaften, um auch dort für jedes Wohnzimmer einen Adventkranz zu gestalten.

Diese Kränze werden dann immer in einem Gottesdienst geweiht und erfreuen die Seniorinnen und Senioren die ganze Vorweihnachtszeit.

(Fotos: Carolina Kerres, Text: Dr. Martina Müller)

Keksebacken im Advent

Neben der weihnachtlichen Dekoration und den Adventkränzen darf natürlich auch der vorweihnachtliche Geruch nicht fehlen. Da viele der alten Menschen nicht mehr gut sehen, ist riechen für sie besonders wichtig und so beschlossen Schülerinnen und Schüler der unverbindlichen Übung „Gelebte Diakonie“ in den Hausgemeinschaften Weihnachtskekse zu backen. Im Gegensatz zu früheren Jahren, wo die Schwestern noch kein ausreichendes Vertrauen in die Koch- und Backkünste unsere Schüler hatten und uns den Teig schon zur Verfügung stellten, durften wir heuer alles selbst machen. Natürlich waren wir nicht auf uns allein gestellt, da viele der alten Damen früher gerne und gut gebacken haben und das Tun der Schüler mit Argusaugen überwachten. So entstanden unter dem strengen Kontrollblicken Vanillekipferl und Husarenkrapfen. Alle Bäckerinnen hatten großen Spaß an der Sache und manche der Kekse schafften es gar nicht auszukühlen um verziert zu werden. Um die Produktion in Schwung zu halten, wurden Kekse zum Auskühlen auch immer wieder auf den Balkon gebracht, wo sie auf wundersame Weise oft weniger wurden – im nächsten Jahr werden wir dann empirisch prüfen, ob Kekse im Auskühlungsprozess auch verschwinden können. Es ist allerdings zu befürchten, dass die Ursache ganz simpel ist und die Kekse der notwendigen Verkostung zum Opfer fielen.

Einige Exemplare schafften es doch, verziert zu werden. Diese wurden dann in allen drei Stockwerken verkostet und einige wenige Stücke schafften es sogar noch in die Keksdose um für die nächsten Tage aufgehoben zu werden.

Schmücken der Weihnachtsbäume

Am 22. Dezember war es endlich soweit. Die Weihnachtsbäume waren angeliefert worden und so konnte im Rahmen der unverbindlichen Übung „Gelebte Diakonie“ mit dem Aufputzen der Tannen begonnen werden. Gleich nach Unterrichtsschluss begleiteten Schülerinnen und Schüler aus der 1B und 2C Frau Prof. Müller in die Hausgemeinschaften. Dort warteten schon die älteren Damen und Herren darauf, dass ihre Wohnzimmer den letzten weihnachtlichen Schliff erhalten würden. Im 5. Stock standen schon viele Kisten mit Weihnachtsschmuck bereit. Die fleißigen Helfer suchten zunächst die passenden Farben von Kugeln, Girlanden und Christbaumspitz zusammen und dann ging es auch schon los. Nach ungefähr zwei Stunden konzentrierter Arbeit standen die drei Bäume fertig da. Jedes Stockwerk war heuer in einer anderen Farbe gehalten und alle waren begeistert. Besonders schwer hatten es die Schülerinnen und Schüler im obersten Stockwerk, da dieser Baum einen fast s-förmigen Stamm hatte und egal, wie er gedreht und gewendet wurde, immer eine Seite nicht gut aussah. Aber mit vereinten Kräften konnte auch diese Hürde übernommen werden und so zogen wir nach ein paar abschließenden Weihnachtsliedern davon.

(Fotos und Text: Dr. Martina Müller)

Gebete

Im Religionsunterricht beschäftigte sich die 1B mit „Gebeten“. Um herauszufinden, wie die Menschen früher gebetet haben oder vielleicht heute unbekanntere Gebete kennen, beschloss die Klasse „Experten“ aus den Hausgemeinschaften der Diakonie zu befragen:

Wir, die SchülerInnen der 1B, statteten den BewohnerInnen der Wohngemeinschaften in zwei Religionsstunden Besuche ab. Bei unserem ersten Besuch interviewten wir die BewohnerInnen. Wir wollten wissen, was ihre Lieblingsgebete sind und von wem sie diese Gebete gelernt haben. Nicht alle Gebete waren uns bekannt. Wir mussten einige mit unseren Handys aufnehmen. Bei unserem zweiten Besuch beteten wir diese Gebete mit den BewohnerInnen. Hier ist ein Gebet, das fast alle BewohnerInnen kannten, das für uns aber ganz unbekannt war:

Oh Gott, du hast in dieser Nacht / so väterlich für mich gewacht, / ich lob´ und preise dich dafür / und dank´ für alles Gute dir.

Bewahre mich auch diesen Tag / vor Sünde, Tod und jeder Plag´; / und was ich denke, red´ und tu, /das segne, bester Vater, du.

Es war interessant zu beobachten, wie die SchülerInnen mit den SeniorInnen ins Gespräch kamen und eifrig für neue Gebete sammelten. Beim zweiten Besuch waren die BewohnerInnen schon im Wohnzimmer rund um den Tisch versammelt – auch viele, die bei den ersten „Interviews“ gar nicht dabei gewesen waren. Die 1B betete gemeinsam mit den alten Menschen und die SchülerInnen wurden von Stockwerk zu Stockwerk souveräner. Dieses kleine Projekt hat allen viel Spaß bereitet und alle Beteiligten denken bereits über eine Fortsetzung nach.

So haben sich die SchülerInnen im Anschluss an ihre Besuche erinnert:

Ich habe sehr nette Leute kennengelernt. (Nick) Ich habe Frau Leitner kennengelernt. (Leopold) Ich habe mit einer Frau gesprochen und gefragt, was ihr Lieblingsgebet ist. (Benjamin) Ich fand es interessant, dass die alten Leute sich so gut an die Gebete erinnern konnten. (Solveig) Ich fand die Atmosphäre sehr schön. (Valentin) Ich fand interessant, dass in jedem Stockwerk ein Haustier ist. (Maurice) Ich frage mich jetzt, wie es den alten Damen geht. (Valentin) Ich habe aufgeschrieben, was die alten Damen gesagt haben. (Tara) Ich frage mich jetzt, wie die alten Leute das gefunden haben. (Clemens) Ich habe mich mit einer Frau unterhalten und sie hat mir eine Bibel und zwei Gebetbücher gezeigt. (Peter)

Kuchenbacken und Kuchenstand

Die SchülerInnen der Klassen 4C, 2A und 1B machten sich am 28. Oktober 2014 auf den Weg in die Hausgemeinschaften um gemeinsam mit den Seniorinnen Kuchen und einen Gugelhupf zu backen. Einerseits war der Plan ein Rezept von Frau Heintschig auszuprobieren – ein Bischofsbrot, andererseits bereits erprobte Kuchen für den Kuchenstand der Evang. Pfarrgemeinde am Matzleinsdorf zum Reformationstag zu backen. Die Schülerinnen und Schüler machten sich unter der Anleitung der Damen ans Werk und vor allem Frau Heintschig war mit ihren Helfern mehr als zufrieden. Während die „Reformationskuchen“ noch im Rohr waren, konnten wir das Bischofsbrot bereits testen. Alle waren mit dem Ergebnis mehr als zufrieden. Die restlichen Kuchen lieferten wir noch am selben Tag – ofenwarm – nach Matzleinsdorf, wo uns bereits Frau Professor Wolf erwartete.Am Wochenende fanden sie dann beim Kuchenstand reißenden Absatz und als ich am Sonntag kam, konnte ich nur noch spärliche Reste verkosten.Angespornt von unseren Backerfolgen, ist der nächste Termin „Vanillekipferl-Backen“ im Dezember, um unsere Vorweihnachtsfreude zu erhöhen.

Dr. Martina Müller

Eröffnung des Kaffeehauses im Evangelischen Gymnasium

Am 9. September war es soweit. Das Kaffeehaus im Evangelischen Gymnasium öffnete seine Pforten für die Bewohnerinnen und Bewohner der Hausgemeinschaften der Diakonie Gallneukirchen.

Nachdem ich vor den Sommerferien erfahren hatte, dass es ein großer Wunsch vieler BewohnerInnen ist, wieder einmal ins Cafe gehen zu können – einfach woandershin ausgehen zu können, überlegte ich mit den SchülerInnen der unverbindlichen Übung „Gelebte Diakonie“ und jenen des Wahlpflichtfaches „Geragogik-Andragogik; Der alte Mensch in unserer Gesellschaft“, wie wir diesen Wunsch erfüllen könnten.

Zwei Kaffeehaustische waren schnell erworben und Dank der großzügigen Spende der Firma Red Zac steht uns auch eine tolle Kaffeemaschine zur Verfügung. So können die Seniorinnen und Senioren einmal pro Woche zu uns in die Schule „ausgehen“ und in gemütlicher Atmosphäre ihren Kaffee mit Kuchen genießen.

Der Andrang übertraf alle unsere Erwartungen bei weitem. Gleich am Eröffnungstag hatten wir mehr als zehn Gäste, was uns gehörig ins Schwitzen brachte. Dank der großartigen Mithilfe von Laura, Amina und Steffi aus der 4C wurde bereits das erste Treffen zu einem Erfolg und mittlerweile hat sich das Helferteam eingespielt. Nach drei weiteren Kaffeehaus-Terminen sind wir schon etwas geübter und die Mannschaft vergrößert sich durch Caroline und Florian aus der 8A.

Mittlerweile hat sich auch die "Karte" erweitert. Neben dem außergewöhnlich guten Kaffee, der viel besser als zu Hause schmeckt (Zitat Frau Schubert aus dem 5. Stock) servieren wir auch Säfte, Wasser und ein kleines Schlückchen Sekt.

Wir hoffen, dass sich das Kaffeehaus weiter so gut entwickelt und Alt und Jung noch viele schöne Stunden bei Kaffee, Kuchen und guten Gesprächen verbringen werden.

Dr. Martina Müller

Das Leben mit den Hausgemeinschaften im Schuljahr 2013/14

Wir besuchen regelmäßig mit Schülerinnen und Schülern die Hausgemeinschaften. Wir basteln und malen mit den Seniorinnen und Senioren, wir backen für sie und mit ihnen, wir dekorieren ihre Zimmer und Wohnbereiche - passend zu den Jahreszeiten - oder lesen ihnen vor. Hier nur ein paar kleine Beispiele für Begegnungen im vergangenen Schuljahr.

Malen und Spielen

Gleich zu Beginn des Schuljahres machten sich die SchülerInnen in der unverbindlichen Übung „Gelebte Diakonie“ daran, die drei Stockwerke unserer Hausgemeinschaften herbstlich zu dekorieren. Alt und Jung hatten großen Spaß beim Drachen-Basteln. Für das nass-kalte Wetter wurden bunte Regenschirme erzeugt und dann aufgehängt.

Nachdem die Dekorationen fertiggestellt waren, folgten einige lustige Spielenachmittage – die Palette reicht von Rummy über Legespiele bis hin zum Bauernschnapsen. Auch wenn nicht immer ganz richtig gezählt wurde, der Spaß stand an oberster Stelle!

Ebenfalls im  September besuchten Schülerinnen und Schüler der 3A die Wohngemeinschaften. Gemeinsam mit den Bewohnern und Bewohnerinnen entstand ein riesiges Bild zum Thema „Erinnerungen an den Sommer“.

In der Reflexionsphase schrieben SchülerInnen:

„An den Bewohnern ist mir aufgefallen, dass sie voller Freude dabei waren.“ (Marie)

„An mir selbst habe ich beobachtet, dass ich gut mit älteren Leuten umgehen kann und mir das viel Spaß bereitet.“(Laura)

„Unsere Malaktion hat den Menschen sichtbar Spaß gemacht.“ (Victoria)

„Die Atmosphäre war ziemlich entspannt.“ (Lukas)

Wir backen Kekse ...

Am 6. November wurden in der unverbindlichen Übung „Gelebte Diakonie“ Kekse gebacken. Die Schülerinnen, Pflegerinnen und die Bewohnerinnen und Bewohner der Hausgemeinschaften hatten viel Spaß. Anschließend wurden die Backstücke noch mit Lebensmittelfarben dekoriert und dann zur Jause verzehrt. Weihnachten kann kommen – wir sind gerüstet.

... und auch eine Biskuitroulade

Anfang Februar besuchten wir die Hausgemeinschaften, um eine Biskuitroulade zu backen. Bei allen unseren vorherigen Backereignissen hatten wir immer schon vorbereiteten Teig mitgenommen, aber diesmal sollte alles vor Ort über die Bühne gehen. Dank der professionellen Unterstützung von Laura Simhart (3C) gelang das Backexperiment unter der strengen Beobachtung der Bewohnerinnen und Bewohner der Hausgemeinschaften so vorzüglich, dass nach Roulade Nummer eins sofort Nummer zwei gebacken wurde.

Nach der Jause meinte Frau Schubert, deren Geburtstag auf diese Weise gleich gebührend gefeiert wurde, zum Abschied: „Also, in zwei Tagen könnten wir das durchaus wieder machen, bis dahin wäre der Gusto auf Roulade wieder da!“ Ganz so schnell wird es wohl nicht sein, aber eines ist sicher: Wir kommen wieder, denn es war ausgesprochen lustig und schmackhaft!

Basteln und Dekorieren

Wie jedes Jahr wurden auch heuer die drei Stockwerke der Hausgemeinschaften, die direkt oberhalb unserer Schule liegen, für den Fasching dekoriert. Dank der tatkräftigen Mithilfe der fleißigen Schülerinnen Chiara, Lisa und Victoria aus der 4B wurden die Masken heuer ganz besonders prächtig. Die Damen und Herren sind mit ihren Wohnzimmern sehr zufrieden und ganz glücklich, dass der Fasching in diesem Jahr recht lange dauert.

Das fleißige Bastelteam aus der 4B kam im Februar wieder zusammen – dieses Mal, um die Dekoration für Ostern vorzubereiten. Aus Buntpapier wurden verschiedene Hasenformen ausgeschnitten und dann mit Watte verfeinert. Bis zum Aschermittwoch, wenn die Faschingsdekoration Ostern weichen muss, werden sicher genügend Häschen für die drei Stockwerke der Hausgemeinschaften fertig sein.

Literaturvorträge bei den SeniorInnen

Am 10. Februar  besuchte die Klassen 3C gemeinsam mit ihrer Deutschprofessorin Mag. Maria Meindl die Hausgemeinschaften, um selbst verfasste Balladen vorzutragen. Dieser Besuch stellte die Fortsetzung eines Vortrages aus dem ersten Semester dar, wo die Schülerinnen und Schüler bekannte Balladen, die sie im Deutschunterricht vorgetragen hatten, zum Besten gaben. Das kam bei den Bewohnerinnen der Hausgemeinschaften so gut an, dass die Klasse beschloss, noch ein zweites Mal zu kommen und ihre eigenen Arbeiten vorzustellen.

Fingerpainting

„Die Freude an den Farben, Motiven und der Technik des Fingerpaintings, die man in den Augen der Seniorinnen ablesen konnte, gab den SchülerInnen und mir das Gefühl, einen sehr sinnvollen und bedeutsamen Beitrag zu leisten. Ganz besonders schön war es auch, den respektvollen und einfühlsamen Umgang der SchülerInnen mit den Seniorinnen zu erleben.“ (Mag. Aleksandra Petrovic)

„Das Zeichnen mit den Seniorinnen im Altersheim war sehr schön. Vor allem, weil sie sich total darüber gefreut haben, dass sich jemand mit ihnen beschäftigt." (Valentina Pilsa, 7C)

"Wir zeichneten mit den Seniorinnen aus dem Altersheim diverse Figuren mithilfe von Wasserfarben und unseren Fingerabdrücken. Es war sehr schön zu sehen, wie sich die Seniorinnen über das Malen freuten und wie sehr sie davon eingenommen waren." (Oliver Rybecky, 7C)

Dr. Martina Müller

SchülerInnen tragen Balladen vor
Basteln mit den SeniorInnen
Biscuit-Roulade-Backen
Kekse backen
Malen mit den Seniorinnen
Osterdekoration
ein Osterlamm entsteht
Spiele mit den HausbewohnerInnen
"Fingerpainting"

Diakonisches Lernen am Evangelischen Gymnasium

„Diakonie lernen“ als Persönlichkeitsbildung

Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass Schülerinnen nach gelungenen diakonischen Praktika ein verändertes Sozialverhalten an den Tag legen können. Schülerinnen greifen tatsächlich zu, um anderen Menschen, auch Mitschülern, zu helfen.

Erstaunlich sind auch die Verschiebungen in der Motivation der Schülerinnen. Schülerinnen gehen an „schwierige Einsatzorte“, weil „es 'Spaß' macht, nicht weil sie sich opfern wollen“. Diese Orientierung, weg von der extrinsischen („gute Noten“) hin zur intrinsischen Motivation („helfen um seiner selbst willen“), wird auch in anderen Untersuchungen zum sozialen Lernen bestätigt. Wenn Schülerinnen erfahren, dass ihr konkretes Handeln die Not anderer lindert, trägt ihr Handeln die Belohnung in sich selbst. Diese Haltung legt Jesus auch seinen Schülerinnen nahe, wenn er sagt: „Lass deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut… dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten“ (Mt 6,3)

Der große Lernpsychologe des sozialen Lernens, Bandura, erklärt dieses Phänomen wie folgt: Jugendliche lernen „am Modell“. Wenn sie sehen, dass helfen, trösten, versorgen etc. anderen Menschen erfolgreich hilft, beginnen sie diese Praxis selbsttätig auszuführen. Wenn soziales Handeln das gewünschte Resultat nach sich zieht, wird eine soziale Handlung in das eigene Handlungsrepertoire überführt. Eine extrinsische Motivation zum Handeln ist dann nicht notwendig. Das Erleben des Erfolges der sozialen Handlung ist eine hinreichende Motivation. Nachdem praktisches und theoretisches Lernen von Diakonie miteinander verbunden wurde, steigt der Status von „Diakonie“ bei den Schülerinnen.

Ein Missverständnis: Diakonie ist weit mehr als „Armenfürsorge“

Worum geht’s bei „Diakonie lernen“? Ein gängiges Missverständnis ist die Gleichsetzung von Diakonie mit Armenfürsorge! Diakonie lernen ist jedoch mehr als Sorge für Bedürftige unter dem Dach der Kirche. Dieses verkürzte Verständnis von Diakonie wurzelt in der Entwicklung der Diakonie im 19. Jahrhundert. Nachdem der lutherische Pfarrer Theodor Fliedner „Diakonie“ auf die kirchliche Tagesordnung setzte, entstanden große diakonische Einrichtungen. Diese Einrichtungen hatten soviel Einfluss, dass das Wort „Diakonie“ als Synonym für „Armenfürsorge“ selbst in der katholischen Caritas gebraucht wurde.

Sehen wir in die biblische und reformatorische Zeit zurück, so wird schnell deutlich, dass diakonisches Handeln immer mit dem Lernen und Lehren des Wortes von Gott verbunden ist. Beispiel Martin Luther: In seinen Predigten schildert er den Zusammenhang von Tun und Lehren am Beispiel der ersten Diakone: Zunächst besteht der Dienst eines Diakons für ihn darin „zeitlich Nahrung“ und „Güter auszuteilen“. Luther greift hier eine neutestamentliche Bedeutung von „diakonein“ als „Tisch-Dienst“ (Apg 6,2) auf. Zugleich sind für ihn die ersten Diakone – Philippus und Stephanus – immer auch hervorragende Lernende und Lehrende des Wortes von Gott (Apg 8,5-25). „Aber Sankt Stephan steht fest und gibt Macht mit seinem Exempel einem jeglichen, zu predigen, an welchem Ort man hören will, es sei im Haus oder auf dem Markt und liest Gottes Wort“. Mit einem Bild gesprochen: Der „Dienst am Tisch“ und der „Dienst am Wort“ sind unlösbar miteinander im Begriff der Diakonie verschmolzen. Luther führt dies immer wieder mit der Figur des Stephanus exemplarisch vor Augen, hinter dem er Christus als Diener (diakonos) und Lehrer erblickt.

Das, was die Bibel und Luther an der Figur des Diakons Stephanus schildern, ist nichts anderes als die Verdeutlichung eines theologischen und zugleich lernpsychologischen Prinzips: Diakonisches Handeln vermittelt („mediatisiert“) das Denken, Einstellung und Glauben der Handelnden. Neutestamentler bestätigen diesen Zusammenhang: Diakonie im neuen Testament meint nicht Selbstaufopferung, sondern „eine je nach Kontext vermittelnde oder mittelnde Tätigkeit“.

Diakonisch-soziales Lernen in der Schule - Perspektiven und Ziele

Diakonisch-soziales Lernen ist pädagogische Reaktion auf die zunehmende Tendenz zu Individualisierung und Entsolidarisierung (soziale Verantwortungslosigkeit, Gewaltbereitschaft). Ziel ist es, in einer Gesellschaft Haltungen zu entwickeln, die Defizite im sozialmoralischen Bereich abfedern. Sozialverpflichtende Werte werden häufig nicht mehr erlebt, so dass Unterricht um eine spezifische soziale Erlebnisdimension zu erweitern ist (schulische Inszenierung sozialer Lernarrangements).Für die Schüler und Schülerinnen bedeutet dies eine Horizonterweiterung des bisherigen Erfahrungsraumes: die Erfahrung, dass es möglich ist, anders und unter anderen Bedingungen zu leben. Schulleitendes Bildungsziel aller Gegenstände ist das Erreichen von Handlungskompetenz für die Schüler und Schülerinnen. In evangelischer Perspektive meint dies einen Zusammenhang von Lernen, Wissen, Können, Wertbewusstsein und Handlungsfähigkeit unter dem Horizont sinnstiftender Deutung. Das Proprium dieser Bildung liegt in der Persönlichkeitsbildung. Diakonisch-soziales Lernen leistet einen genuinen Beitrag zur Ausbildung von Personaler und Sozialer Kompetenz. Diakonisches Lernen ist mehr als ein singulärer Prozess und muss deshalb in allen Klassenstufen in seinen Basiselementen verankert werden. Diakonisches Lernen erfordert die ohnehin bildungspolitisch gewollte Öffnung von Schule (Lernen an außerschulischen Orten) und ermöglicht fächerübergreifenden und fächerverbindenden Unterricht.

Diakonische Bildung als Persönlichkeitsbildung geht aus von der Menschenfreundlichkeit Gottes, wie sie in der Liebe Jesu zu den Menschen ihren Ausdruck findet, und dem Gebot der Nächstenliebe. Sie zielt auf die Ausbildung von Solidarität und bürgerschaftlichem Engagement. Dies beinhaltet auch die Reflexion über die Möglichkeiten der Gestaltung einer humanen und gerechten Gesellschaft und den individuellen Anteil daran. Soziales Engagement soll als Bindeglied der Gesellschaft von den Schülerinnen und Schülern erkannt und soziale Sensibilität und die Bereitschaft zu sozialer Verantwortungsübernahme geweckt werden. Soziale Sensibilität beinhaltet auch Reflexion der Ziele diakonisch-sozialen Lernens: Geht es um ein Individualisieren von Mitleid oder auch um das Verstehen genereller Strukturen? Diakonische Bildung gibt Anstöße für die Entwicklung eines Selbstkonzepts.

Es ermöglicht die Erfahrung:- Gebraucht zu werden und Hilfe zu brauchen.- Neue Perspektiven zu gewinnen und Vorurteile abzubauen.- Fähigkeiten und Kompetenzen zu besitzen, die im außerschulischen Raum auch für andere bedeutsam sind.- „Mensch-Sein“ im ganzheitlichen Sinne zu erleben und an eigene Grenzen zu stoßen (sich als fragmentarisch zu erkennen und davon abgeleitet den anderen nicht von seinen Fehlern her zu sehen, sondern von seinen ausstehenden Möglichkeiten)

Die Begegnung mit menschlichem Leid - im weiten Sinne - ist der Ort fundamentaler Fragen nach dem, was das Menschsein und das Leben ausmachen und was das Leben aus dem Menschen macht. Diakonisches Lernen ermöglicht so mit anderen zu sich selbst zu kommen, voneinander zu lernen, anstatt lediglich Wissen übereinander zu bekommen. Leid konfrontiert mit der Frage nach Grund und Sinn. Die Erfahrungen im diakonisch-sozialen Lernen verweisen damit auf die Leitfragen des Religionsunterrichts und weisen dem diakonisch-sozialen Lernen eine Zentralstellung im Unterricht zu. 

Unterrichtsgegenstand Gelebte Diakonie

Ziel: Schülerinnen sollen durch eigene Beschäftigung bzw. eigenes Erleben diakonisches Handeln nachvollziehen können. Der geschichtliche Hintergrund auf dem dies entstanden ist, soll dabei nicht vernachlässigt werden.

Grobplanung:Diakonie in meiner Nähe: Schülerinnen sollen in ihrer eigenen Umgebung nach Möglichkeiten diakonischen Handelns suchen.Diakonie als Projekt in meiner Stadt: Schülerinnen erleben einen/mehrere diakonische Einsätze in einem Pensionistenheim.Diakonie weltweit: An einem konkreten Projekt der Diakonie Österreich mitarbeiten.Um die Erlebnisse, Ergebnisse und Erfahrungen festzuhalten, soll ein Diakonietagebuch geführt werden. Unterteilt in die oben genannten drei Bereiche, in der Arbeitweise eines Portfolios. Jeder Schüler und jede Schülerin beschreibt kurz den Verlauf seiner Arbeit und verschriftlicht das Ganze. Dieses wird von allen Schülerinnen gesammelt und als Gesamtordner dann in eine präsentierbare Form gebracht.

Mag. Heike Wolf