Diakonischer Schwerpunkt

NEVER-FORGET-WHY: ein Gedenkprojekt für die ermordeten Kinder in Theresienstadt

Nicht nur in Geschichte haben sich die Schülerinnen und Schüler der 4C und 4D in diesem Schuljahr mit dem 2. Weltkrieg und dem Holocaust beschäftigt. Auch im Religionsunterricht wurden Themen und Lebensgeschichten von Menschen aus dieser Epoche bearbeitet: Wir lernten vom Leben und Werk Janusz Korczak, dem berühmten jüdisch-polnischen Humanisten und Kindererzieher und dem tragischen Schicksal seiner Waisenkinder, von der Entstehung der Kinderrechte bis zu den Geschichten mehreren KZs. Den Abschluss unserer Holocaust-Themenreihe bildete die mitreißende Geschichte des KZ-Theresienstadt und ein dazu passendes „Mitmach“-Projekt. „NEVER-FORGET-WHY“ heißt nun dieses kleine und schöne Gedenkprojekt, ins Leben gerufen von Anna Wexberg-Kubesch, Historikerin und Psychotherapeutin aus Wien. Das Projekt ist den 15000 Kindern gewidmet, die vom Durchgangslager Theresienstadt zur Vernichtung nach Auschwitz transportiert wurden. Da ihr Schicksal undokumentiert geblieben ist, weil die Nazis ihnen keine Verwertbarkeit zumaßen, kam Frau Wexberg-Kubesch auf die Idee jedem einzelnen Kind eine persönliche Gedenkkarte zu widmen. Diese 15000 Karten sind aus braunem Karton, der den Aktenmappen der Naziadministration ähnelt und sie sind mit einem Stempel versehen, ähnlich wie damals von den Schreibtischtätern. Auf diesen nachgeahmten Karten stehen die Wörter: NEVER, FORGET, WHY und jede Karte steht für ein Kind. Die Karten können und sollen beschriftet, ausgefüllt, oder auch bemalt werden und dann werden sie wieder eingesammelt bis alle fertig sind. Es ist geplant, die Karten 2018 – im Gedenkjahr an Österreichs Eintritt in die aktive Nazigeschichte 1938 – zu präsentieren. Die Aktion soll dafür sorgen, dass diese Kinder und ihre Schicksale nicht vergessen werden. Es können alle interessierten Menschen mitmachen, so auch natürlich Schulklassen.

Weiterführende Infos unter: www.neverforgetwhy15000.at und www.helden-von-heute.at/anna-wexberg-kubesch

Die Schülerinnen und Schüler der 4C und 4D haben begeistert mit Herz und Seele bei dem Projekt mitgemacht und die Karten sorgfältig gestaltet. (4CD – Religion, aus dem Unterricht, verfasst von Mag. Zsuzsanna Veis, Evangelische Religion)

Hier einige von den schönsten Exemplaren:

Nachösterliche Bilderausstellung

Eine kleine private Ausstellung konnten wir im Rahmen des evangelischen Religionsunterrichtes kurz nach Ostern für unsere älteren Bewohnerinnen und Bewohner vorbereiten. Wir waren mit den Gleichnissen und der Bildersprache Jesu beschäftigt. Zu dem Bild über das Weizenkorn aus Joh 12,24 gab es noch die weiterführende Geschichte über die Wünsche der sieben Weizenkörner von Gertrud Renate Sopp zu lesen. Zum Schluss durften die Schülerinnen und Schüler die Schicksale der Weizenkörner aus der Erzählung zeichnerisch darstellen. Die Bilder fanden ihren wohl verdienten Platz an den Wänden unserer Wohngemeinschaften. (Verfasst von Prof. Zsuzsanna Veis, Evangelische Religion)

Düfte und Cremen in den Hausgemeinschaften

Im Oktober fanden sich SchülerInnen der 4D in den Hausgemeinschaften ein, um unter der Anleitung der jungen Apothekerin Cathrin Neudorfer duftende Cremen anzufertigen. Anschließend wurde sofort ausprobiert, welche Wirkung die Produkte auf Haut und Stimmung hatten.

Um Düfte ging es im Dezember: Die 4D war in den Hausgemeinschaften zu Besuch. Diesmal wurde gemeinsam mit den BewohnerInnen Adventschmuck gebastelt. Die BewohnerInnen durften sich aussuchen, welche ätherischen Öle ihrem persönlichen Stern eine spezielle Note verleihen sollte. Kardinal Dr. Christoph Schönborn, der an diesem Tag die Schule und die Hausgemeinschaften besuchte, schaute den Bastlerinnen über die Schulter und unterhielt sich angeregt mit den BewohnerInnen und den SchülerInnen. (Mag. Elisabeth Neudorfer)

Statt Schokolade: Gebete im Adventkalender

Ein einfaches Lernthema für die 1B im Fach Evangelische Religion nahm im vergangenen Herbst eine interessante Entwicklung. Wir beschäftigten uns einige Wochen lang mit dem Thema „Beten und Gebete in der jüdisch-christlichen Tradition“. Am Beispiel der berühmten Klagemauer in Jerusalem, die ein bis heute bestehender Rest der jüdischen Tempel des Alten Israels ist, wollten die Kinder unbedingt ihre eigene Klagemauer basteln. So kam es nicht nur zum „Bauen“, sondern auch zu einem schönen vorweihnachtlichen Ritual in jeder Unterrichtsstunde: Einzelne persönliche Gebete in jeder Art wurden immer wieder verfasst und in die „Ritze“ der Mauer geschoben und versteckt. Die Mauer wurde Woche für Woche höher und höher. Wir fragten uns, was sollten wir nun mit unserem Bauwerk tun? Da wir uns mittlerweile knapp vor der Adventszeit befanden, hatte sich die Idee eines Ausbaus der Mauer zu einem dreidimensionalen Adventkalender durchgesetzt. Vor die Mauer kamen dann Menschen, Bäume, Häuschen, Boote und andere Gebauten aus Papierkarton. Die einzelnen Ziegel wurden von 1 bis 24 nummeriert. Der Klagemauer-Adventskalender war fertig mit versteckten Gebeten für jeden Tag in der Adventszeit. Schließlich wurde unser Projekt in den Wohngemeinschaften vorgestellt und wir überreichten unser Bauwerk. Somit kamen unsere anonymen Gebete zu den Bewohnern zum Nachlesen und möglicherweise zum Mitbeten. (verfasst von Mag. Zsuzsanna Veis, Evangelische Religion)

Krippenspiel 2015

Wie schon im Vorjahr studierten SchülerInnen der 2D ein Krippenspiel ein, das sie am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien in den Hausgemeinschaften zur Aufführung brachten. Den Zuschauern hat es sichtlich gefallen. (Mag. Elisabeth Neudorfer)

Sommerdekoration in den Hausgemeinschaften

Im Mai beschlossen Frau Prof. Ritscher und ich ein klassenübergreifendes Projekt zur Gestaltung der Sommerdekoration in den Hausgemeinschaften der Diakonie zu starten. Meine Idee war eine Sommerlandschaft, die sich über die gesamte Kastenfront in den 3 Stockwerken ziehen sollte und die den Bewohnerinnen und Bewohnern das Gefühl einer Ferienreise vermitteln sollte.

Frau Prof. Ritscher erläuterte den Klassen 1A und 1C das Thema und in den nächsten Stunden „Bildnerische Erziehung“ entstanden die herrlichsten Palmen, Schiffe, Blumen, Tiere und vieles mehr.

Dann ging es daran die große Vielfalt an Objekten in die Hausgemeinschaften zu bringen. Eine Schülergruppe machte sich mit mir auf den Weg, auf einer stilisierten Landschaft von Wiese, Berg und Wasser die Ferienreise zu gestalten. Bald war alles fertig und die Künstlerinnen und Künstler posierten mit Frau Schubert, die die Arbeit überwacht hatte, für ein Foto.

Die Seniorinnen und Senioren sind mit ihrer Sommerland sehr zufrieden und meinen, dass sie bisher eine der gelungensten Dekorationen ist.

Bericht und Fotos:  Dr. Martina Müller

Osterhase, Ei & Co

Osterhase, Ei & Co waren das Thema eines Besuches von Kindern der 1D in den Wohngemeinschaften. Paul präsentierte eine Osterkerze und erklärte die Symbole. Vanessa und Kerstin erzählten über den Osterhasen und erfreuten die Bewohnerinnen mit einem mitgebrachten Stoffhasen. Conny und David führten nach angemessenen Vorwarnungen eine Osterratsche vor und staunten nicht wenig darüber, dass viele Bewohnerinnen beim Ratschenlied mitsingen konnten. Über das Ei als Ostersymbol erzählten Anna und Anna Interessantes. Beim Eierpecken, so erfuhren wir, geht es eigentlich darum, das Ei rasch aufzupecken, um das in ihm verborgene Leben rasch ans Licht zu bringen. Palmkätzchen und Granatapfel wurden von Francesca, Caroline und Felix präsentiert.

3. März 2015: Aktionstag in den Hausgemeinschaften

Am 3. März kam es zu hochfrequentiertem Zusammentreffen zwischen Alt und Jung. Einerseits war es bereits höchste Zeit die Osterdekoration anzubringen, d.h. die von SchülerInnen und SeniorInnen im Vorjahr marmorierten Ostereier in den drei Stockwerken aufzuhängen und auch die im Werkunterricht bei Frau Prof. Ritscher gebastelten Hasen aufzuhängen. Dabei wurde ich tatkräftig von SchülerInnen aus der 4B unterstützt, die mit großem Eifer bei der Sache waren und mit viel Einfühlungsvermögen auf die Wünsche der Seniorinnen und Senioren eingingen.

Andererseits besuchte gerade eine Schülerin aus der 8A, die auch das Wahlpflichtfach „Geragogik-Andragogik, Der alte Mensch in unserer Gesellschaft“ besucht, im Rahmen ihres Praktikums Frau Korodwicka. Die beiden plauderten angeregt, während um sie herum geschmückt und dekoriert wurde.

Parallel dazu wurden auf der Terrasse im 4. Stock zwei Hochbeete aufgestellt und befüllt. Diese wurden von der Werkgruppe der 4B unter der Leitung von Prof. Maurer im Unterricht innerhalb von drei Wochen hergestellt. Im Biologieunterricht soll nun mit Prof. Entrup besprochen werden, wie die Beete zu bepflanzen sind, wobei die Wünsche der Seniorinnen nach Salat, Kräutern und hängenden Tomaten sicherlich berücksichtigt werden. Ich denke, dass wir von diesem Projekt, an dem so viele verschiedene Fächer beteiligt sind, noch hören werden. (Text und Fotos: Dr. Martina Müller)

Projekt Kafarnaum

Die 1B hat ein Modell des Dorfes Kafarnaum am See Genezareth gebaut. Man sieht das Dorf so wie es zur Zeit Jesu ausgesehen hat. Es gibt eine Synagoge, Häuser, Palmen und Boote auf dem See. Eine Mauer wurde zum Schutz des Dorfes errichtet. Doch auf der Seite des Sees ist sie offen.

Wir haben alles aus Karton und Papier gebaut. Nachdem wir die Grundplatte bemalt hatten, stellten wir die Häuser und Palmen auf. Eine Schwierigkeit war das Aufstellen und Aufkleben der Mauern. Es hat lange gedauert, bis Kafarnaum fertig war, aber es hat auch Spaß gemacht.

Am Donnerstag, dem 12. Februar, waren wir mit unserem Modell in den Hausgemeinschaften. Dort erzählten wir etwas über das Dorf. Die Klasse teilte sich in zwei Gruppen auf, um das Modell zu präsentieren. Wir sprachen über Politik, den Sabbath, das Familienleben, die Häuser, die jüdische Religion, Getreide und Pflanzen und vieles andere mehr.  Zum Schluss gab es Orangensaft und Cola für alle. (Mag. Elisabeth Neudorfer und Schülerinnen und Schüler der 1B)

Wahlpflichtfach "Alterspädagogik"

Im Schuljahr 2013/14 wurde das Wahlpflichtfach  mit eigenständigem Curriculum zum ersten Mal angeboten. 13 Schülerinnen und Schüler entschlossen sich das Wagnis einzugehen und das neue Angebot auszuprobieren.

Im ersten Jahr bekommen die Teilnehmer eine theoretische Einführung in die Bedürfnisse alter Menschen und die Probleme, die diese bei der Bewältigung ihres Alltages haben. Dabei werden verschiedene Pflegkonzepte und Theorien behandelt, die auch Studierenden an sozialen Fachhochschulen, wie dem Campus Wien, in den Einführungsvorlesungen begegnen.  Schon früh kommen auch externe Vortragende an die Schule und geben den Schülerinnen und Schülern einen Einblick in ihren Berufsalltag und ihre Erfahrungen. So vorbereitet absolvieren die jungen Menschen im Sommersemester ein Praktikum in den Hausgemeinschafen der Diakonie Gallneukirchen, die in den oberen Stockwerken im Gebäude des Evangelischen Gymnasiums angesiedelt sind. In diesem Praktikum haben sie wöchentlich Kontakt mit einem alten Menschen, lernen seine Bedürfnisse und Möglichkeiten kennen, überlegen ein Konzept, wie sie mit ihm in Kontakt treten können bzw. die Treffen für beide Seiten angenehm und sinnvoll zu gestalten.

Im zweiten Jahr erweitern die Teilnehmer ihr Wissen in zahlreichen Exkursionen, die sie durch ganz Wien in die verschiedensten Betreuungseinrichtungen führen. Dabei können sie die im Vorjahr erlernten theoretischen Ansätze in der Praxis wiederfinden und erleben verschiedene Pflegemodelle für die verschiedenen Bedürfnisse. Ergänzt werden diese Erfahrungen durch Vorträge, die sich mit kulturellen Unterschieden, den Problemen und Bedürfnissen von Angehörigen alter Menschen und dem Umgang mit Sterben, Tod und Trauer befassen.

Erfreulicherweise treten von den 13 Schülerinnen und Schülern, die das Wahlpflichtfach in den Jahren 2013/14 und 2014/15 besucht haben, 7 Schülerinnen und Schüler im Haupttermin 2015 in diesem Fach auch zur Matura an. Im Rahmen der neuen Reifeprüfung ist es ja möglich in einem Wahlpflichtfach ohne Trägerfach eigenständig zu maturieren.

Diakonisches Lernen am Evangelischen Gymnasium

„Diakonie lernen“ als Persönlichkeitsbildung

Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass Schülerinnen nach gelungenen diakonischen Praktika ein verändertes Sozialverhalten an den Tag legen können. Schülerinnen greifen tatsächlich zu, um anderen Menschen, auch Mitschülern, zu helfen.

Erstaunlich sind auch die Verschiebungen in der Motivation der Schülerinnen. Schülerinnen gehen an „schwierige Einsatzorte“, weil „es 'Spaß' macht, nicht weil sie sich opfern wollen“. Diese Orientierung, weg von der extrinsischen („gute Noten“) hin zur intrinsischen Motivation („helfen um seiner selbst willen“), wird auch in anderen Untersuchungen zum sozialen Lernen bestätigt. Wenn Schülerinnen erfahren, dass ihr konkretes Handeln die Not anderer lindert, trägt ihr Handeln die Belohnung in sich selbst. Diese Haltung legt Jesus auch seinen Schülerinnen nahe, wenn er sagt: „Lass deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut… dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten“ (Mt 6,3)

Der große Lernpsychologe des sozialen Lernens, Bandura, erklärt dieses Phänomen wie folgt: Jugendliche lernen „am Modell“. Wenn sie sehen, dass helfen, trösten, versorgen etc. anderen Menschen erfolgreich hilft, beginnen sie diese Praxis selbsttätig auszuführen. Wenn soziales Handeln das gewünschte Resultat nach sich zieht, wird eine soziale Handlung in das eigene Handlungsrepertoire überführt. Eine extrinsische Motivation zum Handeln ist dann nicht notwendig. Das Erleben des Erfolges der sozialen Handlung ist eine hinreichende Motivation. Nachdem praktisches und theoretisches Lernen von Diakonie miteinander verbunden wurde, steigt der Status von „Diakonie“ bei den Schülerinnen.

Ein Missverständnis: Diakonie ist weit mehr als „Armenfürsorge“

Worum geht’s bei „Diakonie lernen“? Ein gängiges Missverständnis ist die Gleichsetzung von Diakonie mit Armenfürsorge! Diakonie lernen ist jedoch mehr als Sorge für Bedürftige unter dem Dach der Kirche. Dieses verkürzte Verständnis von Diakonie wurzelt in der Entwicklung der Diakonie im 19. Jahrhundert. Nachdem der lutherische Pfarrer Theodor Fliedner „Diakonie“ auf die kirchliche Tagesordnung setzte, entstanden große diakonische Einrichtungen. Diese Einrichtungen hatten soviel Einfluss, dass das Wort „Diakonie“ als Synonym für „Armenfürsorge“ selbst in der katholischen Caritas gebraucht wurde.

Sehen wir in die biblische und reformatorische Zeit zurück, so wird schnell deutlich, dass diakonisches Handeln immer mit dem Lernen und Lehren des Wortes von Gott verbunden ist. Beispiel Martin Luther: In seinen Predigten schildert er den Zusammenhang von Tun und Lehren am Beispiel der ersten Diakone: Zunächst besteht der Dienst eines Diakons für ihn darin „zeitlich Nahrung“ und „Güter auszuteilen“. Luther greift hier eine neutestamentliche Bedeutung von „diakonein“ als „Tisch-Dienst“ (Apg 6,2) auf. Zugleich sind für ihn die ersten Diakone – Philippus und Stephanus – immer auch hervorragende Lernende und Lehrende des Wortes von Gott (Apg 8,5-25). „Aber Sankt Stephan steht fest und gibt Macht mit seinem Exempel einem jeglichen, zu predigen, an welchem Ort man hören will, es sei im Haus oder auf dem Markt und liest Gottes Wort“. Mit einem Bild gesprochen: Der „Dienst am Tisch“ und der „Dienst am Wort“ sind unlösbar miteinander im Begriff der Diakonie verschmolzen. Luther führt dies immer wieder mit der Figur des Stephanus exemplarisch vor Augen, hinter dem er Christus als Diener (diakonos) und Lehrer erblickt.

Das, was die Bibel und Luther an der Figur des Diakons Stephanus schildern, ist nichts anderes als die Verdeutlichung eines theologischen und zugleich lernpsychologischen Prinzips: Diakonisches Handeln vermittelt („mediatisiert“) das Denken, Einstellung und Glauben der Handelnden. Neutestamentler bestätigen diesen Zusammenhang: Diakonie im neuen Testament meint nicht Selbstaufopferung, sondern „eine je nach Kontext vermittelnde oder mittelnde Tätigkeit“.

Diakonisch-soziales Lernen in der Schule - Perspektiven und Ziele

Diakonisch-soziales Lernen ist pädagogische Reaktion auf die zunehmende Tendenz zu Individualisierung und Entsolidarisierung (soziale Verantwortungslosigkeit, Gewaltbereitschaft). Ziel ist es, in einer Gesellschaft Haltungen zu entwickeln, die Defizite im sozialmoralischen Bereich abfedern. Sozialverpflichtende Werte werden häufig nicht mehr erlebt, so dass Unterricht um eine spezifische soziale Erlebnisdimension zu erweitern ist (schulische Inszenierung sozialer Lernarrangements).Für die Schüler und Schülerinnen bedeutet dies eine Horizonterweiterung des bisherigen Erfahrungsraumes: die Erfahrung, dass es möglich ist, anders und unter anderen Bedingungen zu leben. Schulleitendes Bildungsziel aller Gegenstände ist das Erreichen von Handlungskompetenz für die Schüler und Schülerinnen. In evangelischer Perspektive meint dies einen Zusammenhang von Lernen, Wissen, Können, Wertbewusstsein und Handlungsfähigkeit unter dem Horizont sinnstiftender Deutung. Das Proprium dieser Bildung liegt in der Persönlichkeitsbildung. Diakonisch-soziales Lernen leistet einen genuinen Beitrag zur Ausbildung von Personaler und Sozialer Kompetenz. Diakonisches Lernen ist mehr als ein singulärer Prozess und muss deshalb in allen Klassenstufen in seinen Basiselementen verankert werden. Diakonisches Lernen erfordert die ohnehin bildungspolitisch gewollte Öffnung von Schule (Lernen an außerschulischen Orten) und ermöglicht fächerübergreifenden und fächerverbindenden Unterricht.

Diakonische Bildung als Persönlichkeitsbildung geht aus von der Menschenfreundlichkeit Gottes, wie sie in der Liebe Jesu zu den Menschen ihren Ausdruck findet, und dem Gebot der Nächstenliebe. Sie zielt auf die Ausbildung von Solidarität und bürgerschaftlichem Engagement. Dies beinhaltet auch die Reflexion über die Möglichkeiten der Gestaltung einer humanen und gerechten Gesellschaft und den individuellen Anteil daran. Soziales Engagement soll als Bindeglied der Gesellschaft von den Schülerinnen und Schülern erkannt und soziale Sensibilität und die Bereitschaft zu sozialer Verantwortungsübernahme geweckt werden. Soziale Sensibilität beinhaltet auch Reflexion der Ziele diakonisch-sozialen Lernens: Geht es um ein Individualisieren von Mitleid oder auch um das Verstehen genereller Strukturen? Diakonische Bildung gibt Anstöße für die Entwicklung eines Selbstkonzepts.

Es ermöglicht die Erfahrung:- Gebraucht zu werden und Hilfe zu brauchen.- Neue Perspektiven zu gewinnen und Vorurteile abzubauen.- Fähigkeiten und Kompetenzen zu besitzen, die im außerschulischen Raum auch für andere bedeutsam sind.- „Mensch-Sein“ im ganzheitlichen Sinne zu erleben und an eigene Grenzen zu stoßen (sich als fragmentarisch zu erkennen und davon abgeleitet den anderen nicht von seinen Fehlern her zu sehen, sondern von seinen ausstehenden Möglichkeiten)

Die Begegnung mit menschlichem Leid - im weiten Sinne - ist der Ort fundamentaler Fragen nach dem, was das Menschsein und das Leben ausmachen und was das Leben aus dem Menschen macht. Diakonisches Lernen ermöglicht so mit anderen zu sich selbst zu kommen, voneinander zu lernen, anstatt lediglich Wissen übereinander zu bekommen. Leid konfrontiert mit der Frage nach Grund und Sinn. Die Erfahrungen im diakonisch-sozialen Lernen verweisen damit auf die Leitfragen des Religionsunterrichts und weisen dem diakonisch-sozialen Lernen eine Zentralstellung im Unterricht zu. 

Unterrichtsgegenstand Gelebte Diakonie

Ziel: Schülerinnen sollen durch eigene Beschäftigung bzw. eigenes Erleben diakonisches Handeln nachvollziehen können. Der geschichtliche Hintergrund auf dem dies entstanden ist, soll dabei nicht vernachlässigt werden.

Grobplanung:Diakonie in meiner Nähe: Schülerinnen sollen in ihrer eigenen Umgebung nach Möglichkeiten diakonischen Handelns suchen.Diakonie als Projekt in meiner Stadt: Schülerinnen erleben einen/mehrere diakonische Einsätze in einem Pensionistenheim.Diakonie weltweit: An einem konkreten Projekt der Diakonie Österreich mitarbeiten.Um die Erlebnisse, Ergebnisse und Erfahrungen festzuhalten, soll ein Diakonietagebuch geführt werden. Unterteilt in die oben genannten drei Bereiche, in der Arbeitweise eines Portfolios. Jeder Schüler und jede Schülerin beschreibt kurz den Verlauf seiner Arbeit und verschriftlicht das Ganze. Dieses wird von allen Schülerinnen gesammelt und als Gesamtordner dann in eine präsentierbare Form gebracht.

Mag. Heike Wolf